Es ist Dienstagmorgen. Der Finanzleiter eines mittelständischen Handelsunternehmens öffnet SAP Business One und stellt fest, dass keine der über Nacht eingegangenen Webshop-Bestellungen im ERP-System angekommen ist.
Der Berater, der die E-Commerce-Schnittstelle vor zwei Jahren entwickelt hat, arbeitet bis Donnerstag an einem anderen Kundenprojekt. Der interne IT-Administrator kennt zwar jeden Benutzer und jede Berechtigung im System, hat mit dem Code der Schnittstelle aber noch nie gearbeitet.
Dabei muss niemand etwas falsch gemacht haben. Vielleicht war der Freelancer genau die richtige Wahl, als die Schnittstelle damals eingerichtet wurde. Inzwischen ist das Unternehmen jedoch gewachsen, die Systemlandschaft komplexer geworden – und niemand hat überprüft, ob das damalige Betreuungsmodell noch zu den heutigen Anforderungen passt.
Genau diese Frage sollten Unternehmen regelmäßig stellen.
SAP Business One zuverlässig zu betreiben, erfordert mehr als reine Softwarekenntnisse. Je nach Systemlandschaft braucht es funktionale Berater mit Erfahrung in Finanzwesen, Einkauf und Lagerverwaltung, Entwickler für Erweiterungen und Schnittstellen, Datenbank-Know-how und jemanden, der das Gesamtprojekt koordiniert.
Unternehmen decken diesen Bedarf in der Regel auf drei Arten ab: mit einer SAP Business One Agentur, einem selbstständigen SAP-Berater beziehungsweise Freelancer oder einem eigenen ERP-Team.
Keines dieser Modelle ist grundsätzlich das beste. Entscheidend ist vielmehr: Welches Modell passt zu Ihrer heutigen SAP-Business-One-Landschaft – und zu der, die Sie in einigen Jahren betreiben möchten?
Kurz gesagt: Eine SAP Business One Agentur bietet Zugriff auf ein breiter aufgestelltes Team aus funktionalen und technischen Beratern, Entwicklern, Integrationsspezialisten und Support-Mitarbeitern. Ein Freelancer bringt dagegen seine individuelle Expertise ein, während ein internes ERP-Team für unmittelbare Kontrolle und tiefes Wissen über die eigenen Geschäftsprozesse sorgt. Welche Lösung sinnvoll ist, hängt von der Komplexität Ihrer SAP-Landschaft, vorhandenen Integrationen, internen Kompetenzen und langfristigen Support-Anforderungen ab.
Was unterscheidet eine SAP Business One Agentur, einen Freelancer und ein internes ERP-Team?
Auf den ersten Blick wirkt die Entscheidung wie eine einfache Frage: externe Unterstützung einkaufen oder eigenes Know-how aufbauen?
In der Praxis gehen die Unterschiede deutlich weiter.
| Kriterium |
SAP Business One Agentur |
Freelancer |
Internes ERP-Team |
| Ressourcenmodell |
Interdisziplinäres Team |
Einzelner Spezialist |
Eigene Mitarbeiter |
| SAP-B1-Know-how |
Kann funktionale und technische Bereiche abdecken |
Abhängig von der Person |
Abhängig von den vorhandenen Mitarbeitern |
| Verfügbarkeit |
Ressourcen können im Team verteilt werden |
Abhängig von einer Person |
Intern verfügbar |
| Integrationen |
Spezialisten können gezielt eingebunden werden |
Abhängig vom individuellen Know-how |
Entsprechende interne Expertise erforderlich |
| Skalierbarkeit |
Zusätzliche Ressourcen lassen sich meist leichter bereitstellen |
Durch persönliche Kapazität begrenzt |
Zusätzliche Einstellungen erforderlich |
| Unternehmenswissen |
Entsteht im Laufe der Zusammenarbeit |
Entsteht im Laufe der Zusammenarbeit |
In der Regel am stärksten ausgeprägt |
| Kontinuität |
Abhängig von Prozessen und Dokumentation der Agentur |
Stärkere Abhängigkeit von einer Person |
Abhängig von Mitarbeiterbindung |
| Support |
Strukturierter Team-Support möglich |
Meist durch den jeweiligen Berater |
Direkt intern |
| Häufig geeignet für |
Komplexe Systemlandschaften mit unterschiedlichen Anforderungen |
Klar abgegrenzte Spezialaufgaben |
Unternehmen mit dauerhaft hohem ERP-Betreuungsbedarf |
Statt nach einem pauschalen „Gewinner“ zu suchen, sollten Sie überlegen, welches Modell zu Ihrer tatsächlichen Systemlandschaft passt. Ein Unternehmen mit einer relativ überschaubaren SAP-Business-One-Umgebung benötigt schließlich eine andere Betreuung als ein Unternehmen, das SAP B1 mit E-Commerce, Lagerverwaltung, Zahlungsdienstleistern, Reporting-Systemen und mehreren Gesellschaften verbindet.
Was leistet eine SAP Business One Agentur eigentlich?
Der Begriff „SAP Business One Agentur“ wird unterschiedlich verwendet. Deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen. Der wesentliche Unterschied besteht darin, dass Sie nicht nur einen einzelnen SAP-Berater beauftragen. Sie greifen auf eine Organisation zurück, die je nach Projektphase unterschiedliche Spezialisten einbinden kann.
Expertise bei der SAP-Business-One-Implementierung
Eine gute SAP-Business-One-Implementierung beginnt lange bevor das erste Modul konfiguriert wird. Zunächst muss verstanden werden, wie das Unternehmen tatsächlich arbeitet: Wie werden Aufträge verarbeitet? Wie läuft der Einkauf? Wie wird Bestand verwaltet? Wie verarbeitet die Finanzbuchhaltung Transaktionen? Und welche Systeme tauschen bereits Daten miteinander aus?
Auf dieser Grundlage folgen Konfiguration, Datenmigration, Tests, User Acceptance Tests und schließlich die Vorbereitung des Go-Lives. Nach dem Go-Live verschiebt sich der Schwerpunkt auf Stabilisierung, Support und kontinuierliche Optimierung.
Dieser strukturierte Ansatz hat einen einfachen Vorteil: Probleme lassen sich während der Konzeption meist deutlich leichter lösen als dann, wenn Anwender bereits produktiv mit dem System arbeiten.
Zugriff auf unterschiedliche SAP-B1-Spezialisten
SAP Business One verbindet unter anderem Finanzwesen, Vertrieb, Einkauf und Lagerverwaltung. Der Berater, der diese Prozesse optimal konfigurieren kann, muss jedoch nicht gleichzeitig die richtige Person sein, um eine API zu debuggen oder ein Datenbankproblem zu analysieren.
Eine SAP Business One Agentur kann deshalb unterschiedliche Kompetenzen in einem Projekt zusammenführen, beispielsweise:
Nicht jede dieser Rollen wird permanent benötigt. Genau darin liegt der Vorteil: Das entsprechende Know-how kann dann hinzugezogen werden, wenn es tatsächlich gebraucht wird.
Integration und Entwicklung
SAP Business One arbeitet in den wenigsten Unternehmen dauerhaft isoliert. Mit zunehmender Digitalisierung kommen häufig Magento, Shopify oder WooCommerce hinzu, ebenso CRM-Systeme, Zahlungsanbieter, Logistikplattformen, Marktplätze und weitere Geschäftsanwendungen.
Ab diesem Punkt reicht reines SAP-Know-how nicht mehr aus. Jemand muss auch verstehen, was auf der anderen Seite der Schnittstelle passiert. Kommt beispielsweise eine Webshop-Bestellung nicht in SAP B1 an, kann die Ursache im Shop, in einer Middleware, in der API, in der SAP-Konfiguration oder im individuellen Code liegen.
Je besser das Support-Team den gesamten Datenfluss versteht, desto gezielter lässt sich die Ursache eingrenzen.
Laufender SAP Business One Support
Mit dem Go-Live endet ein ERP-Projekt nicht. Mitarbeiter wechseln. Prozesse verändern sich. Neue Reports werden benötigt. Schnittstellen müssen angepasst und Updates eingespielt werden. Irgendwann treten vielleicht auch Performance-Probleme auf.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht nur, wer SAP Business One implementieren kann, sondern auch, wer das System langfristig zuverlässig betreuen und weiterentwickeln kann.
Bei einer Agentur basiert dieser Support in der Regel auf einem Team und damit weniger auf der Verfügbarkeit einer einzelnen Person.
Wann ist ein SAP Business One Freelancer sinnvoll?
Es gibt viele Situationen, in denen ein Freelancer eine sehr gute Lösung sein kann. Ist die Aufgabe klar definiert und wissen Sie genau, welches Spezialwissen benötigt wird, kann ein erfahrener selbstständiger SAP-Berater sehr effizient arbeiten.
Wo Freelancer ihre Stärken ausspielen
Ein großer Vorteil ist der direkte Kontakt. Sie sprechen normalerweise unmittelbar mit der Person, die die Aufgabe tatsächlich bearbeitet. Zusätzliche Abstimmungsebenen fallen weitgehend weg.
Gute Freelancer können außerdem sehr spezialisiertes Wissen mitbringen. Vielleicht verfügen Sie bereits über ein leistungsfähiges internes SAP-Team, benötigen aber für einige Wochen jemanden mit besonders tiefem Know-how in Crystal Reports oder einem bestimmten technischen Bereich. In diesem Fall wäre ein umfangreicheres externes Projektteam möglicherweise gar nicht erforderlich.
Wo das Freelancer-Modell an Grenzen stoßen kann
Die wichtigste Einschränkung ist die verfügbare Kapazität. Auch ein sehr guter Berater hat nur eine begrenzte Anzahl an Arbeitsstunden.
Tritt ein kritisches Problem auf, während der Freelancer bereits in einem anderen Projekt gebunden ist, muss eine Aufgabe warten. Dasselbe gilt, wenn mehrere Themen gleichzeitig bearbeitet werden müssen.
Hinzu kommt die fachliche Bandbreite. Ein Berater kann beispielsweise hervorragend in der SAP-Business-One-Konfiguration sein, aber weniger Erfahrung mit E-Commerce-Integrationen, Datenbankoptimierung oder Infrastruktur mitbringen.
Das spricht nicht grundsätzlich gegen einen Freelancer. Unternehmen sollten lediglich wissen, ab welchem Punkt die Abhängigkeit von einer einzelnen Person zum betrieblichen Risiko werden kann.
Auch die Dokumentation spielt hier eine wichtige Rolle. Wenn eine Person Ihre SAP-Landschaft über Jahre aufgebaut und betreut hat, sollte das Wissen darüber nicht ausschließlich in ihrem Kopf gespeichert sein.
Typische Aufgaben für Freelancer
Ein Freelancer kann beispielsweise sinnvoll sein für:
- klar definierte SAP-B1-Entwicklungsaufgaben
- spezifische Reporting-Anforderungen
- zusätzliche Spezialkompetenz für ein bestehendes SAP-Team
Grundsätzlich gilt: Je klarer die Aufgabe abgegrenzt werden kann, desto besser funktioniert dieses Modell häufig.
Wann lohnt sich ein internes SAP-Business-One-Team?
Ein internes ERP-Team hat einen Vorteil, den externe Dienstleister nur schwer vollständig ersetzen können: Es ist Teil des Unternehmens.
Die eigenen Mitarbeiter wissen, welche Prozesse regelmäßig Probleme verursachen, welche Reports das Management tatsächlich nutzt und welches scheinbar kleine SAP-Problem im Alltag eine ganze Abteilung ausbremsen kann.
Vorteile eines internen Teams
Interne Mitarbeiter arbeiten nah an den Anwendern und Geschäftsprozessen. Sie können viele alltägliche Anforderungen bearbeiten, ohne zunächst ein externes Support-Ticket zu eröffnen. Gleichzeitig entsteht mit der Zeit ein tiefes Verständnis dafür, warum das System auf eine bestimmte Weise eingerichtet wurde.
Für Unternehmen, deren SAP-Business-One-Landschaft kontinuierlich verändert wird und täglich intensive Betreuung benötigt, kann dieses interne Wissen besonders wertvoll sein.
Welches Know-how braucht ein internes SAP-B1-Team?
Genau hier wird der Aufbau eines eigenen Teams anspruchsvoll. Eine gewachsene SAP-Business-One-Landschaft kann Kenntnisse in zahlreichen Bereichen erfordern:
- Finanzwesen und Buchhaltung
- Lager und Bestandsführung
All diese Kompetenzen in ein oder zwei Mitarbeitern zu vereinen, ist schwierig.
Ein SAP-Administrator kann nicht jede Spezialistenrolle übernehmen
Dieser Punkt wird häufig unterschätzt. Benutzer und Berechtigungen zu verwalten ist etwas anderes, als eine Integration zu entwickeln. Eine Schnittstelle zu programmieren ist wiederum etwas anderes, als eine Datenbank zu optimieren. Und beides unterscheidet sich von der Frage, ob ein Prozess im Finanzwesen fachlich korrekt eingerichtet wurde.
Selbst ein sehr guter interner SAP-Administrator kann daher bei bestimmten Themen externe Unterstützung benötigen. Das ist kein Defizit des internen Teams, sondern schlicht eine Folge der fachlichen Breite moderner ERP-Landschaften.
SAP Business One Agentur vs. Freelancer: Wo liegen die wichtigsten Unterschiede?
Der Unterschied wird deutlicher, wenn nicht nur Tagessätze verglichen werden, sondern konkrete Projektsituationen.
Breite der Expertise
Ein Freelancer verfügt häufig über besonders tiefes Wissen in seinen Spezialgebieten. Eine Agentur kann dagegen mehrere Fachrichtungen innerhalb eines Projekts zusammenbringen.
Bleibt Ihre Anforderung in einem klar abgegrenzten Bereich, spielt dieser Unterschied möglicherweise kaum eine Rolle. Bewegt sich ein Projekt jedoch gleichzeitig zwischen Finanzwesen, Entwicklung, Datenbank und E-Commerce-Integration, gewinnt die fachliche Breite deutlich an Bedeutung.
Verfügbarkeit
Stellen Sie sich folgende Situation vor: Ihr regulärer Berater ist nicht verfügbar und gleichzeitig tritt ein geschäftskritischer Fehler auf. Parallel benötigt eine andere Abteilung eine Änderung an einer Schnittstelle und die Finanzabteilung wartet auf die Behebung eines Reporting-Problems. Eine einzelne Person muss diese Aufgaben nacheinander priorisieren. Ein größeres Team kann sie unter Umständen auf mehrere Spezialisten verteilen.
Projektmanagement
Bei der Zusammenarbeit mit einem Freelancer übernimmt der Kunde häufig einen größeren Teil der direkten Projektsteuerung. Bei kleineren, klar definierten Aufgaben kann das hervorragend funktionieren.
Größere Implementierungen bringen dagegen Abhängigkeiten, Meilensteine, Tests, unterschiedliche Stakeholder und mehrere technische Arbeitspakete mit sich. Dann wird eine Person, die das Gesamtprojekt koordiniert, zunehmend wichtig.
Betriebskontinuität
Eine einfache Frage hilft bei der Bewertung: Was passiert, wenn die Person, die unser SAP-System am besten kennt, morgen nicht verfügbar ist?
Unabhängig davon, ob Sie mit einer Agentur oder einem Freelancer arbeiten, sollten Dokumentation, Übergabeprozesse und Verantwortlichkeiten klar geregelt sein. Ein teambasiertes Modell bietet allerdings mehr Möglichkeiten, Wissen auf mehrere Personen zu verteilen.
Langfristiger Support
Die SAP-Business-One-Landschaft, die Sie heute betreiben, wird wahrscheinlich in drei Jahren anders aussehen. Vielleicht kommt ein weiteres Lager hinzu. Ein zusätzlicher Onlineshop. Neue Reporting-Anforderungen. Eine weitere Gesellschaft.
Deshalb sollte das Support-Modell nicht ausschließlich danach ausgewählt werden, was heute benötigt wird. Entscheidend ist auch, wohin sich Ihre ERP-Landschaft entwickelt.
SAP Business One Agentur vs. internes Team: Was ändert sich?
Bei der Entscheidung zwischen einer Agentur und einem internen ERP-Team geht es häufig weniger um Tagessätze als um zwei andere Faktoren: interne Kontrolle und Zugang zu Spezialwissen.
Ein internes Team bleibt nah am Unternehmen und behält das tägliche Systemwissen im Haus. Meldet die Finanzabteilung ein Problem, kennt das ERP-Team möglicherweise bereits den fachlichen Hintergrund, bevor der Anwender alles im Detail erklärt hat.
Eine SAP Business One Agentur ermöglicht dagegen den Zugriff auf Spezialwissen, ohne für jede einzelne Kompetenz einen eigenen Mitarbeiter einstellen zu müssen. Eine zusätzliche Fähigkeit intern aufzubauen bedeutet: geeignete Mitarbeiter finden, einstellen, einarbeiten, weiterbilden und langfristig halten.
Bei einer Agentur kann die benötigte Expertise projektbezogen hinzugezogen werden. Beide Modelle haben damit ihre eigenen Stärken. Und vor allem: Unternehmen müssen sich nicht zwangsläufig für nur eines davon entscheiden.
Welches Modell ist für SAP Business One kosteneffizienter?
Gerade beim Kostenvergleich entstehen schnell falsche Schlussfolgerungen. Ein Freelancer kann auf den ersten Blick einen niedrigeren Tagessatz haben als eine Agentur. Ein interner Mitarbeiter wiederum kann günstiger erscheinen als der regelmäßige Einsatz externer Berater. Beides sagt wenig aus, solange nicht betrachtet wird, welche Leistungen tatsächlich enthalten sind.
Kosten eines Freelancers
Der offensichtlichste Kostenfaktor ist der Stunden- oder Tagessatz.Zusätzlich sollten Sie berücksichtigen, was passiert, wenn das Projekt Fähigkeiten erfordert, die außerhalb des Spezialgebiets des Beraters liegen. Dann können weitere Consultants, zusätzliche Abstimmungen oder externe Unterstützung notwendig werden.
Auch die Frage, welche Verfügbarkeit bei einem kritischen Problem tatsächlich gewährleistet werden kann, gehört in die Kalkulation.
Kosten einer SAP Business One Agentur
Bei einer Agentur können Discovery, Implementierung, Entwicklung, Projektmanagement, Spezialisten und laufender Support Teil der Kosten sein. Dadurch kann der anfängliche Betrag höher erscheinen. Ein sinnvoller Vergleich lautet deshalb nicht einfach:
Tagessatz Agentur vs. Tagessatz Freelancer.
Verglichen werden sollte vielmehr, was es unter jedem Modell insgesamt kostet, die tatsächlich benötigten Fähigkeiten und Ressourcen bereitzustellen.
Kosten eines internen ERP-Teams
Auch beim internen Team ist das Gehalt lediglich der Ausgangspunkt. Hinzu kommen beispielsweise Recruiting, Arbeitgeberkosten, Weiterbildung und der kontinuierliche Aufbau von SAP-Know-how.
Verlässt ein erfahrener Mitarbeiter das Unternehmen, geht möglicherweise wertvolles Systemwissen verloren. Für hochspezialisierte Aufgaben können zudem weiterhin externe Berater oder Agenturen erforderlich sein.
Warum der Tagessatz allein wenig aussagt
Ein niedriger Stundensatz macht ein Projekt nicht automatisch günstiger. Ein hilfreicheres Denkmodell ist:
ERP-Ressourcenkosten = direkte Kosten + Implementierungsrisiko + Ausfallzeiten + fehlende Spezialkompetenzen + Wartung + Wissenstransfer
Das ist keine buchhalterische Formel. Sie erinnert lediglich daran, auch die Kosten zu berücksichtigen, die auf dem ursprünglichen Angebot möglicherweise nicht sichtbar sind.
Welches Modell eignet sich für komplexe SAP-Business-One-Integrationen?
Diese Frage lässt sich am besten anhand konkreter Systemlandschaften beantworten.
SAP Business One als weitgehend eigenständiges System
Eine stabile SAP-Business-One-Umgebung mit wenigen angebundenen Systemen kann häufig von einem erfahrenen internen Administrator oder Freelancer betreut werden – bei Bedarf ergänzt durch externe Spezialisten.
SAP Business One mit E-Commerce
Nun kommt Magento, Shopify oder WooCommerce hinzu. Plötzlich müssen Kunden, Artikel, Preise, Bestände, Bestellungen, Zahlungen und Retouren zuverlässig zwischen mehreren Systemen ausgetauscht werden.
Wenn der Bestand im Webshop falsch angezeigt wird, stellt sich sofort die Frage: Wo liegt die Ursache?
In SAP Business One? In der Schnittstelle? Im Shop? In einem geplanten Hintergrundprozess? Im individuellen Code?
Je besser das betreuende Team den vollständigen Datenfluss versteht, desto schneller lässt sich ein Fehler eingrenzen.
SAP B1 mit mehreren Drittsystemen
Kommen Zahlungsdienstleister, Logistikplattformen, CRM-Systeme, Marktplätze und Reporting-Lösungen hinzu, steigt die Zahl der technischen Abhängigkeiten schnell.
Spätestens dann wird es für eine einzelne Person zunehmend schwierig, in allen Bereichen die notwendige Expertise abzudecken.
Mehrere Gesellschaften oder Länder
Mehrere Gesellschaften erhöhen die Komplexität zusätzlich. Reporting, Berechtigungen, Datenbanken, Schnittstellen und lokale Geschäftsprozesse müssen aufeinander abgestimmt werden.
Die entscheidende Frage lautet dann nicht mehr nur:
„Wer kennt SAP Business One?“
Sondern:
„Wer versteht unsere gesamte SAP-Business-One-Systemlandschaft?“
Was passiert, wenn Ihre Anforderungen an SAP Business One wachsen?
Viele Unternehmen beginnen mit einer überschaubaren Systemlandschaft. SAP Business One deckt Finanzwesen, Vertrieb, Einkauf und Lagerverwaltung ab. Dann wächst das Unternehmen.
Ein Onlineshop wird angebunden.
Die Lagerprozesse werden automatisiert.
Business Intelligence kommt hinzu.
Ein zweiter Standort wird eröffnet.
Eine weitere Gesellschaft entsteht.
Zusätzliche Anwendungen müssen Daten mit SAP austauschen.
Keine dieser Veränderungen ist ungewöhnlich. Zusammengenommen können sie jedoch aus einem überschaubaren ERP-System eine komplexe IT-Landschaft machen.
Deshalb sollte auch das Betreuungsmodell regelmäßig überprüft werden.
Der Freelancer, der beim ursprünglichen Go-Live perfekt zum Unternehmen gepasst hat, verfügt möglicherweise einige Jahre später nicht mehr über genügend Kapazität.
Ein internes Team, das ursprünglich für Administration aufgebaut wurde, benötigt irgendwann zusätzliche Integrations- oder Entwicklungskompetenz.
Entscheidend ist, diesen Punkt rechtzeitig zu erkennen.
Sollten Sie ein internes Team mit einer SAP Business One Agentur kombinieren?
Für viele Unternehmen ist genau das die praktikabelste Lösung. Sie müssen weder sämtliche Aufgaben auslagern noch jede SAP-Kompetenz intern aufbauen.
So kann ein hybrides Modell aussehen
Das interne Team übernimmt beispielsweise:
- interne Prozesskoordination
- Aufnahme neuer Anforderungen
Die SAP Business One Agentur unterstützt dagegen bei:
- komplexen technischen Problemen
Das Unternehmen behält damit wichtiges Wissen und die operative Kontrolle intern, ohne jede Spezialkompetenz dauerhaft vorhalten zu müssen.
Wann ist dieses Modell sinnvoll?
Ein hybrides Modell eignet sich besonders dann, wenn SAP Business One wichtig genug ist, um eigene Ressourcen dafür bereitzustellen, aber nicht genügend kontinuierliche Spezialaufgaben anfallen, um Entwickler, Datenbankspezialisten, Integrationsexperten und funktionale Berater dauerhaft zu beschäftigen.
Das Wissen, das im Unternehmen bleiben sollte, bleibt intern. Spezialwissen wird dann hinzugezogen, wenn es tatsächlich benötigt wird.
Wie wählen Sie zwischen Agentur, Freelancer und internem Team?
Beginnen Sie nicht mit dem Anbieter, sondern mit Ihrer eigenen SAP-Landschaft.
Stellen Sie sich zunächst diese Fragen:
- Wie komplex ist unsere SAP-Business-One-Umgebung?
- Welches SAP-Know-how besitzen wir bereits intern?
- Welche Kompetenzen fehlen?
- Wie viele Drittsysteme sind mit SAP B1 verbunden?
- Wie viel individuelle Entwicklung benötigen wir?
- Wie schnell brauchen wir Unterstützung, wenn ein Problem auftritt?
- Wie geschäftskritisch ist SAP Business One für unseren Betrieb?
- Erwarten wir starkes Wachstum oder größere Systemänderungen?
- Müssen mehrere technische Themen gleichzeitig bearbeitet werden?
- Wie abhängig möchten wir von einer einzelnen Person sein?
Die Antworten grenzen die sinnvollen Modelle meist deutlich ein.
| Unternehmenssituation |
Mögliche Modelle |
| Kleine, klar definierte Spezialaufgabe |
Freelancer oder Agentur |
| Vollständige SAP-B1-Implementierung |
Agentur oder leistungsfähiges internes Projektteam |
| Komplexe E-Commerce-Integration |
Agentur oder hybrides Modell |
| Bestehendes SAP-Team benötigt Spezialwissen |
Freelancer oder Agentur |
| Kontinuierliche tägliche ERP-Administration |
Internes Team oder hybrides Modell |
| Mehrere Integrations- und Entwicklungsprojekte |
Agentur oder hybrides Modell |
| Starker Bedarf an interner Kontrolle |
Internes Team oder hybrides Modell |
10 Fragen, die Sie vor der Wahl Ihres SAP-Business-One-Betreuungsmodells stellen sollten
Bevor Sie eine Agentur oder einen Berater fragen, was diese für Sie leisten können, sollten Sie zunächst intern klären:
- Wie komplex ist unsere SAP-Business-One-Landschaft?
- Welche Kompetenzen haben wir bereits im Unternehmen?
- Wo bestehen fachliche oder technische Lücken?
- Wie viele Drittsysteme sind an SAP angebunden?
- Wer übernimmt, wenn unser wichtigster SAP-Spezialist nicht verfügbar ist?
- Wo und wie ist unser SAP-Wissen dokumentiert?
- Wie schnell verändern sich unsere Anforderungen?
- Benötigen wir regelmäßig Entwicklungsleistungen?
- Wer trägt die Verantwortung für Updates und Kompatibilität?
- Was passiert operativ, wenn SAP Business One morgen nicht verfügbar ist?
Gerade die letzte Frage ist aufschlussreich. Sie zeigt schnell, wie wichtig Verfügbarkeit, Vertretung und Support-Kapazität für Ihr Unternehmen tatsächlich sind.
Kann man später von einem Freelancer oder internen Team zu einer SAP Business One Agentur wechseln?
Ja.
Unternehmen verändern ihr SAP-Betreuungsmodell aus unterschiedlichen Gründen: Wachstum, zusätzliche Integrationen, neue technische Anforderungen oder schlicht ein höherer Ressourcenbedarf.
Wie reibungslos der Wechsel funktioniert, hängt vor allem davon ab, wie gut die bestehende Systemlandschaft dokumentiert ist.
Bevor eine neue SAP Business One Agentur die Verantwortung übernimmt, sollte sie sich unter anderem folgende Bereiche ansehen:
- aktuelle SAP-Konfiguration
- Benutzer und Berechtigungen
- bisherige Support-Historie
Das Ziel sollte nicht darin bestehen, sofort Änderungen vorzunehmen. Zunächst muss verstanden werden, was vorhanden ist, warum es so eingerichtet wurde und wo mögliche Risiken liegen.
Praktischer Tipp: Eine SAP-B1-Übergabe-Checkliste kann diesen Prozess erheblich vereinfachen – auch dann, wenn aktuell gar kein Anbieterwechsel geplant ist.
Wie bewerten Sie eine SAP Business One Agentur vor der Beauftragung?
Beginnen Sie mit den Grundlagen. Prüfen Sie den SAP-Partnerstatus beziehungsweise die entsprechenden Qualifikationen und die relevante Projekterfahrung des Anbieters.
Danach sollten Sie genauer hinschauen.
Wer wird tatsächlich an Ihrem Projekt arbeiten?
Gibt es sowohl funktionale als auch technische SAP-Expertise? Hat das Team Erfahrung mit den von Ihnen eingesetzten Schnittstellen und Plattformen? Wie läuft eine Datenmigration ab? Wer verantwortet die Tests? Wie wird der Go-Live begleitet? Und wie werden kritische Supportfälle eskaliert?
Auch die Dokumentation ist entscheidend.
Ihre SAP-Landschaft sollte niemals zu einer Blackbox werden, die ausschließlich Ihr Dienstleister versteht.
Fragen Sie außerdem nach relevanten Referenzprojekten oder Case Studies. Erfahrung mit Unternehmen und Systemlandschaften, die Ihrer eigenen ähneln, ist häufig aussagekräftiger als eine lange Liste allgemeiner Leistungen.
Wo Ingold Solutions ins Spiel kommt
Ingold Solutions unterstützt Unternehmen, die neben SAP-Business-One-Kompetenz auch technisches Know-how rund um ihre ERP-Landschaft benötigen.
Besonders relevant wird diese Kombination, wenn SAP B1 mit anderen Geschäftssystemen verbunden ist. Wenn beispielsweise SAP-Business-One- und Magento-Kompetenz innerhalb desselben Teams vorhanden sind, kann eine E-Commerce-Integration von beiden Seiten betrachtet werden – statt ERP und Onlineshop als voneinander getrennte Projekte zu behandeln.
Für Unternehmen in Deutschland oder mit Aktivitäten in mehreren Märkten können die Anforderungen zudem weit über die reine ERP-Konfiguration hinausgehen. Themen wie GoBD, DATEV, XRechnung, Integrationen oder Multi-Company-Strukturen können Teil derselben Systemlandschaft sein.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht einfach, ob ein Unternehmen „eine SAP-Agentur“ braucht.
Entscheidend ist, ob die bestehende SAP-Landschaft inzwischen mehr funktionale, technische und integrationsbezogene Expertise benötigt, als das aktuelle Betreuungsmodell abdecken kann.